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Datenschutz im Gesundheitswesen · Aufbewahrung & Löschung

Aufbewahrungsfristen für Patientenakten

Zehn Jahre sind die bekannte Zahl — aber längst nicht die einzige. Für Röntgenaufzeichnungen, Transfusionen und Arbeitsmedizin gelten eigene, teils erheblich längere Fristen. Diese Übersicht sortiert sie.

Erstveröffentlichung:

In diesem Ratgeber

Die Grundregel: zehn Jahre

Nach § 630f Abs. 3 BGB ist die Patientenakte für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht andere Vorschriften etwas anderes bestimmen. Dieselbe Frist findet sich berufsrechtlich in § 10 Abs. 3 der Musterberufsordnung für Ärzte, umgesetzt in den Berufsordnungen der Landesärztekammern.

Abweichende Fristen im Überblick

UnterlageFrist
Patientenakte allgemein (§ 630f BGB)10 Jahre nach Behandlungsende
Röntgen- und Untersuchungsdaten Erwachsener (§ 85 Abs. 2 StrlSchG)10 Jahre
Aufzeichnungen über Behandlung mit ionisierender Strahlung (§ 85 Abs. 2 StrlSchG)30 Jahre
Transfusionsdokumentation (§ 14 Abs. 3 TFG)Mindestens 15 Jahre; Daten nach Abs. 2 mindestens 30 Jahre
Vorsorgekartei des Arbeitgebers (§ 3 Abs. 4 ArbMedVV)Bis zum Beschäftigungsende, vorbehaltlich besonderer Vorschriften; nicht mit ärztlichen Befunden verwechseln
Buchungsbelege (§ 147 AO, § 257 HGB)Grundsätzlich 8 Jahre; Fristbeginn zum Jahresende und mögliche Verlängerungen beachten
Bücher und Jahresabschlüsse (§ 147 AO)10 Jahre
Röntgen- und Untersuchungsdaten Minderjähriger (§ 85 StrlSchG)Bis zur Vollendung des 28. Lebensjahres
Ärztliche Unterlagen zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (AMR 6.1)Grundsätzlich 10 Jahre nach letzter Vorsorge; bei bestimmten Expositionen 40 Jahre
Handels- und Geschäftsbriefe (§ 257 HGB)6 Jahre
Lohnkonten (§ 41 EStG)6 Jahre

Die Tabelle ist eine Orientierung, keine abschließende Aufzählung. Je nach Fachrichtung kommen weitere Spezialvorschriften hinzu — etwa aus dem Medizinprodukterecht, dem Betäubungsmittelrecht oder aus Verträgen mit Kostenträgern.

Warum viele Praxen länger aufbewahren als nötig

Ein verbreitetes Argument lautet: Haftungsansprüche verjähren nach § 199 Abs. 2 BGB spätestens 30 Jahre nach dem schädigenden Ereignis, also sollte man die Akte auch 30 Jahre behalten. Das ist nachvollziehbar, aber datenschutzrechtlich nicht ohne Weiteres tragfähig. Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO verlangt Speicherbegrenzung: Daten dürfen nur so lange in identifizierbarer Form vorgehalten werden, wie es für den Zweck erforderlich ist.

Wer über die gesetzliche Frist hinaus aufbewahren will, braucht dafür eine begründete, dokumentierte Entscheidung — und sollte sie nicht pauschal für den gesamten Aktenbestand treffen, sondern für nachvollziehbar abgegrenzte Fallgruppen. Das Gegenteil, nämlich das Löschen zum frühestmöglichen Zeitpunkt ohne Prüfung, ist allerdings genauso riskant.

Was nach Fristablauf zu tun ist

Nach Ablauf der einschlägigen Fristen ist zu prüfen, ob noch ein tragfähiger Aufbewahrungsgrund besteht, etwa ein konkreter Rechtsstreit. Fehlt ein solcher Grund, sind die Daten sicher zu löschen oder zu vernichten. Eine bloße Digitalisierung verlängert die Aufbewahrung nicht. Patientenunterlagen unterliegen zusätzlich der Schweigepflicht nach § 203 StGB — entscheidend sind eine geeignete Sicherheitsstufe, der Schutz vor unbefugter Entnahme bis zur Vernichtung und die Nachweisbarkeit des Vorgangs.

Ein sauberer Ablauf sieht so aus

  • Bestand sichten und nach Fristen gruppieren, bevor irgendetwas vernichtet wird
  • Weitere Aufbewahrungsgründe prüfen; Digitalisierung ist kein Ersatz für ein Löschkonzept
  • Sammlung in verschlossenen Sicherheitsbehältern statt in offenen Kartons
  • Vernichtung nach DIN 66399 / ISO 21964 über einen zertifizierten Fachbetrieb
  • Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit dem Dienstleister
  • Vernichtungsnachweis zur Datenschutzdokumentation nehmen

Quellen & Rechtsgrundlagen

Grundlagen dieses Beitrags, geprüft zum angegebenen Stand. Gesetze und behördliche Hinweise können sich ändern; maßgeblich bleibt Ihre konkrete Verarbeitung.

Dieser Ratgeber dient der datenschutzfachlichen und organisatorischen Orientierung. Er ersetzt keine anwaltliche Rechtsberatung im Einzelfall. Die Verantwortung für die Verarbeitung bleibt bei der Einrichtung. Für eine erste Beratungsanfrage genügen Angaben zum Anliegen; bitte keine Patientenakten über das öffentliche Kontaktformular senden.

Aus dem Praxisalltag

Häufige Fragen zu diesem Thema

Wann beginnt die Zehnjahresfrist genau?
Mit Abschluss der Behandlung, nicht mit dem Datum des einzelnen Eintrags. Bei chronischen Erkrankungen oder langjähriger Betreuung beginnt die Frist entsprechend spät.
Dürfen wir Patientenakten vorsorglich 30 Jahre aufbewahren?
Nicht pauschal. Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO verlangt Speicherbegrenzung. Eine über die gesetzliche Frist hinausgehende Aufbewahrung braucht eine begründete und dokumentierte Entscheidung für klar abgegrenzte Fallgruppen.
Reicht ein Bürohäcksler für Patientenakten aus?
Das hängt von Schutzbedarf, Sicherheitsstufe und organisiertem Verfahren ab. Ein geeigneter Aktenvernichter kann Teil eines sicheren Ablaufs sein. Offene Sammlung, grober Streifenschnitt oder unkontrollierte Entsorgung sind für vertrauliche Patientenunterlagen ungeeignet.
Was passiert mit den Akten bei einer Praxisaufgabe?
Die Aufbewahrungspflicht endet nicht mit der Praxisaufgabe. Die Unterlagen sind bis zum Fristablauf weiter sicher zu verwahren — üblich sind die Übergabe an den Praxisnachfolger mit Einwilligung der Patienten oder eine treuhänderische Verwahrung.